„Kinder erleben von Geburt an tiefgreifende,
körperliche Erfahrungen, die sich in
ihrem Körper einschreiben.“
Bernard Aucouturier

Zielsetzung & Hintergrund der Psychomotorischen Praxis Aucouturier

Psychomotorik, wie sie Bernard Aucouturier versteht, ist nicht funktional ausgerichtet. Das Erreichen von Normen ist nicht das Ziel dieser Psychomotorischen Arbeit.

Das Kind hat Raum und Zeit, die Stunde mit den Inhalten zu füllen, die im Augenblick wichtig sind. Es kann sich frei und spontan entfalten und sich über Bewegung und Handlung mitteilen. Es erzählt seine Geschichte. Die Psychomotorikerin begegnet dem Kind, seinem Spiel- und Handlungsvermögen unvoreingenommen. Das ist ein wichtiges Prinzip der Psychomotorischen Praxis Aucouturier.
Die Themen des Kindes stehen im Fokus der Bemühungen der Therapeutin. Sie spielt für das Kind, gibt Worte für das Erleben des Kindes und für ihr eigenes Erleben. „Das tut dir gut, das magst du gerne.“ „Dein Haus ist stabil gebaut, da fühle ich mich ganz sicher.“ Auf diese Weise erfährt das Kind eine große Akzeptanz seiner selbst. Sein Handeln und seine Gefühle werden nicht in Frage gestellt, denn Kinder brauchen einfühlsame Erwachsene, die sie in ihrem Prozess der Selbstwerdung begleiten und unterstützen. In der Psychomotorischen Praxis werden entwicklungshemmende Erfahrungen im spielerischen Handeln neu strukturiert. Das Kind kann sich stabilisieren und sein inneres Gleichgewicht finden. Anspannungen lösen sich und es wird frei für die nächsten (Entwicklungs-)Schritte. Körper, Seele und Geist sind im Einklang.

„Psychomotorische Praxis bedeutet, dem Kind über den Körper zu begegnen und seine „Beweg-Gründe“ zu verstehen. “
(M. Esser)

Psychomotorik nach Bernard Aucouturier

Sabine Otto-Gruber

Der Franzose Bernard Aucouturier (*1934) war jahrelang Leiter des „Centre d´Education Physique Spécialisée in Tours“ und hat einen eigenständigen psychomotorischen Ansatz für Prävention und Therapie entwickelt.
„Oui, tu peux!“ „Ja, du kannst!“ Ein Ausspruch von Bernard Aucouturier, der seiner tiefen Überzeugung Ausdruck verleiht, dass er an die Veränderung des Kindes und seinem Wunsch und seiner Lust, groß zu werden, glaubt.
Während seiner langjährigen therapeutischen Tätigkeit hat er sich auch intensiv um die Weiterbildung von Therapeutinnen bemüht.
In Deutschland wird seit nunmehr 15 Jahren im Fort- und Weiterbildungszentrum ZAPPA/Bonn die Ausbildung in Psychomotorischer Praxis Aucouturier angeboten.

Zur leichteren Lesbarkeit wird auf die geschlechtsspezifische Differenzierung verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für beide Geschlechter.